Aus meinem Lebenslauf

Ende letzten Jahres wurde mir an einem Morgen während der Arbeit am Stein ganz plötzlich bewusst, dass ich im Jahr 2020 ein Doppeljubiläum habe – 25 Jahre fertig ausgebildete Steinmetzin und 20 Jahre freischaffende Bildhauerin in Kirchheim. Jetzt habe ich versucht, diese letzten 25 Jahre ganz knapp von meinem heutigen Blick als Lebenslauf zu beschreiben und die für mich prägendsten Ereignisse dabei aufzugreifen. 

Das war eine sehr spannende Arbeit, die für mich sehr persönlich, klärend und versöhnlich war. Dafür bin ich so dankbar. Während diesem Prozess ist auch mein neues Logo entstanden – stein Punkt – aber dazu ein andermal mehr…
Für heute dieser Teil meines Lebenslaufs, mit ein paar Bildern, die ich zu den verschiedenen Zeiten gefunden habe… (der Text ist in zwei Sprachen auch hier zu lesen)
Vielen Dank an der Stelle an Claudia fürs Lesen, meine Tante Ingeborg für die Übersetzung ins Englische und Janine für die Aufnahme mit dem Perlenohrring! 

Im Alter von 19 Jahren Jahren bearbeitete Monika Majer ihren ersten Stein – einen Travertin, den sie mit einem Stuttgarter Bildhauer aus dem damals noch geöffneten Steinbruch in Bad Cannstatt holte. Damals gab ihr der Bildhauer zu dem Stein einen kleinen, beigefarbenen Eimer mit Werkzeugen mit und sagte: „Mach!“, und sie machte. 

Nach einer Ausbildung zur Steinmetzin, für die sie als Deutschlands Beste ausgezeichnet wird, nutzt sie ein Stipendium für ein Studium an der Akademie für Gestaltung in Ulm. Handwerklich und gestalterisch bestens ausgebildet beginnt die junge Frau und zweifache Mutter im Jahr 2000 als freischaffende Bildhauerin in ihrem eigenen Atelier zu arbeiten und gründet 2001 mit ihrem Mann das Unternehmen stein gestalten. Neben Auftragsarbeiten für Grabmalkunden arbeitet die vielseitige Bildhauerin an der Umsetzung eigener Ideen, stellt ihre Arbeiten aus, arbeitet großformatig auf Bildhauersymposien und gestaltet Kunst für den Öffentlichen Raum. 

Nach mehreren kurz aufeinanderfolgenden Todesfällen in ihrem nahen Kreis verläßt Monika Majer stein gestalten und beginnt in einer tiefen Krise ein Studium der Intermedialen Kunsttherapie. Mit den dort gelehrten Ansätzen erweitert sie ihr Spektrum künstlerischen Schaffens, vertieft die Entwicklung ihres eigenen Ausdrucks, sucht ihren eigenen Stil. Sie beginnt mit einer fundierten Übungspraxis in Yoga und Mediation, vertieft sich in Tanz und Poesie und findet zurück zu ihrer Freude in der Natur. Als langjährige Dozentin für Plastisches Gestalten, Zeichnen und künstlerische Projektarbeit entwickelt sie einen Unterrichtsstil, der persönliche Entwicklung und künstlerischen Ausdruck gleichermaßen herausfordert. 

Gleichzeitig arbeitet die inzwischen junge Großmutter an der Entwicklung ihres eigenen Werks, bekommt erste Einzelausstellungen, führt Performances auf. Von einer Verletzung ihrer rechten Hand inspiriert, entdeckt die Künstlerin in ihrem Drang zur Formgebung eine eigene Gusstechnik, durch die sie eine gänzlich neue Formsprache einhändig – mit links – findet, die sie weiter erforscht und damit ebenso kleine wie großformatige Skulpturen schafft. 

Die sinnliche Erfahrung während dem Ausformen der Gusshöhlen prägt sich ihr tief ein. Mit heilen Händen folgt die Bildhauerin ihrer Liebe zum Stein. Sie lässt ihrer Schaffensfreude freien Lauf, arbeitet ohne Entwurf und lässt sich vom Stein und ihrer jahrelang geschulten Formkraft intuitiv führen. Die „heilige Zeit“ am Stein und das stille Beobachten in der Natur sind für sie Ruhepunkte, wesentliche Kraftquellen und Inspiration zugleich. 

Die jetzt entstehenden Skulpturen sind schlichte, organische Formen. Die fein geschliffenen Oberflächen zeigen Strukturen und Farbigkeit der verarbeiteten Steine und die mit Spitzen runden, sinnlichen Formen ohne Standfläche inspirieren zu Berührung und Bewegung. „ohne Weiteres“ betitelt Monika Majer ihre Werke und lässt damit Raum für persönliche Deutung und Assoziation – und den Stein Stein sein.

 

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Roswitha Remmel

    Liebe Moni, überwältigende Eindrücke deiner wertvollen Arbeit mit dem Stein – mal schwingend, mal schwebend, aber immer mit kraftvoller Aussage – deine neueste Arbeit berührt mich besonders – meine herzlichen Glückwünsche zu all deinem künstlerischen Tun!
    Mit liebe Grüßen,
    Roswitha

    1. MO_sculpture

      Liebe Roswitha,
      vielen Dank für deine berührende Rückmeldung und deine Glückwünsche! Du kennst mich und die Arbeit mit dem Stein ja schon sehr lange und erfährst selbst auch viel im und durch dein künstlerisches Tun, und da freut es mich besonders, so von dir zu lesen!
      Alles Liebe dir,
      Moni.

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